Familienanwälte – Arbeitsgemeinschaft Familienrecht

In jeder Beziehung. Informationen zu Ehe, Scheidung, Unterhalt

Herbsttagung und Mitgliederversammlung vom 26.-28. November 2009 in Bamberg

Der Reformgipfel

Auf der Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht in Bamberg vom 26. bis 28. November bildeten sich etwa 350 Anwältinnen und Anwälte fort. Die Reformen standen im Mittelpunkt der Tagung. Denn knapp zwei Jahre nach Inkrafttreten des neuen Unterhaltsrechts sind jetzt auch das System des Versorgungsausgleichs und das Zugewinnausgleichsrecht erneuert worden. Mit etwa 6.600 Mitgliedern ist die AG Familienrecht die größte aller Arbeitsgemeinschaften im DAV.

Rechtsanwältin und Notarin Ingeborg Rakete-Dombek, Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht, begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Referentinnen und Referenten der Tagung
Alle Fotos: Andreas Burkhardt

Reformen über Reformen

Vielen Familienanwältinnen und –anwälten rauchte schnell der Kopf angesichts der zahlreichen Neuerungen rund um das Scheidungsverfahren, die in den zahlreichen Vorträgen und Workshops vorgestellt wurden. Die Organisation des „Großen Familiengerichts“, das „Beschleunigungsprinzip in Kindschaftssachen“, „Das neue Verfahrensrecht in der Praxis“, „Die neue Vereinbarungsfreiheit nach der Reform des Versorgungsausgleichs“, „Die neuen Rechtsmittel im FamFG“ waren u.a. die Themen der Veranstaltungen. „Es ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben“, sagte Rechtsanwältin Ingeborg Rakete-Dombek, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht. „Jetzt gilt es, die richtigen Pfade im Reformdschungel zu finden.“

  Dr. Isabell Götz, Richterin am Oberlandesgericht München, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Familiengerichtstages

Namhafte Richter und Richterinnen, Notare, Rechtsanwälte und Universitätsprofessoren halfen dabei, zum Beispiel Dr. Isabell Götz, Richterin am Oberlandesgericht München, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Familiengerichtstags. Sie sprach über das neue Verfahrensrecht in der Praxis. Obwohl das FamFG noch jung ist, es trat am 1. September 2009 in Kraft, hatte sie einige Fälle zusammengetragen. Wer ihren Vortrag gehört hatte, wusste hinterher mehr über die Überleitungsvorschriften und über das Verfahren in Unterhalts- und Ehesachen.

Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb, Universität zu Köln, sprach über die Privatautonomie im Familienrecht

Das Fortbildungsangebot der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht war wie immer anschaulich, praxisbezogen und vielfältig. „So kompakt kann ich mich sonst nirgendwo informieren“, sagte eine Anwältin aus Berlin und war mit dieser Meinung nicht allein. Auch der Informationsaustausch mit anderen Berufsgruppen wie Richtern, Notaren, Psychologen und Hochschullehrern macht die Tagung besonders attraktiv. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen deswegen immer wieder, auch wenn der Weg noch so weit ist. Denn die Veranstaltung wandert durch die verschiedenen Teile Deutschlands, letztes Jahr fand sie in Potsdam statt, jetzt in Bamberg, nächstes Jahr wird sie in Hannover stattfinden.

Moral, Geld und Erfolgserlebnisse

Erstmalig wurden Entscheidungsprozesse bei Familienanwälten aus rechtspsychologischer Sicht beleuchtet. „Im Familienrecht gibt es unzählige psychologisch zu bewertende Faktoren“, sagte Rechtsanwältin Ingeborg Rakete-Dombek. „Die Loyalitätskonflikte des Familienanwalts sind enorm und können zur Belastung werden.“ Dr. Revital Ludewig, Rechtspsychologin von der Universität St. Gallen, stellte ihre Forschungsergebnisse über die Berufsschwierigkeiten und Bewältigungsversuche der Familienanwälte vor. Besonderes Gewicht legte sie auf das Moraldilemma, das entstehen kann, wenn man sich gegenüber zahlreichen Werten verpflichtet fühlt, die man jedoch nicht alle gleichzeitig erfüllen kann. Zum Beispiel: „In einem Scheidungsfall will mein Mandant möglichst wenig Unterhaltsbeiträge an Frau und Kinder bezahlen.“ Oder: „Ich habe ein Mandat aus Loyalität gegenüber einem Freund übernommen, obwohl die Sache nicht gerechtfertigt war.“ Die Rechtspsychologin nannte zahlreiche weitere Fallkonstellationen zwischen Moral, Geld und Erfolgserlebnissen.

Dr. Revital Ludewig, Rechtspsychologin von der Universität St. Gallen, sprach über Kindeswohl – Mandantenwohl – Anwaltswohl – Berufsschwierigkeiten und Bewältigungsversuche von Familienanwälten im Unterschied zur Arbeit von Richterinnen und Richtern

Scheidung auf griechisch

Mit Polen fing es an, es folgten die Schweiz, England und Frankreich: In diesem Jahr befasste sich das Symposium, das wie schon in den vergangenen Jahren der Herbstversammlung vorangestellt wurde, mit Griechenland, dem die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht sich ganz besonders verbunden fühlt. Denn jedes Jahr bietet sie eine Fortbildung in Griechenland an, eine Veranstaltung, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Auf dem Symposium führte Rechtsanwalt Hartmut Kilger, ehemaliger DAV-Präsident, ins Thema ein und sprach vom „Genius Loci“, da doch Bamberg mit seiner fürstbischöflichen Residenz einst Zufluchtsort für König Otto von Griechenland wurde, der aus Bayern stammte. Anschließend gab es Einblicke in das griechische Familienrecht, u. a. durch Prof. Koutsouradis aus Thessaloniki.

v.l.n.r.: Dr. Antonios N. Fifis, Rechtsanwalt, Athen und Köln, Argiris Balomatis, Rechtsanwalt, Tübingen, Prof. Dr. Achilles Koutsouradis, Universität Thessaloniki, Rechtsanwalt Hartmut Kilger, Moderation Rechstanwältin Eva Becker.
Fifis Koutsouradis
Balomatis Kilger
 
Becker  

Von der Billigkeit zur Beliebigkeit

Das neue Unterhaltsrecht, seit zwei Jahren ein Dauerbrenner, wurde kritisch unter die Lupe genommen. Es war auch Thema der „Aktuellen Stunde“, mit der die Herbsttagung traditionell endete. In einem Streitgespräch kritisierte der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht Dr. Hans-Ulrich Maurer, dass die Unterhaltsentscheidungen meist zu Lasten der geschiedenen Frauen gingen. Der Richter am Bundesgerichtshof Dr. Frank Klinkhammer widersprach dem vehement und wies daraufhin, dass heute anders als früher die erste und die zweite Ehe gleichwertig behandelt werden müssten und es keine Ehen zweiter Klasse mehr geben dürfe. Auch plädierte der Karlsruher Richter dafür, dass die Oberlandesgerichte mehr Revisionen zum BGH zulassen sollten, um die Rechtsprechung weiterzuentwickeln.

v.l.n.r.: Dr. Frank Klinkhammre, Richter am BGH, Rechtsanwalt Dr. Mathias Grandel moderierte, Dr. Hans-Ulrich Maurer, Vors. Richter am OLG Stuttgart
Klinkhammer Maurer

Hier können Sie das Programm der Tagung herunterladen, dort erfahren Sie auch mehr über die einzelnen Referentinnen und Referenten

RAin Dr. Ingrid Groß: Gebühren, Kosten, Streitwerte – Folgen der Reform Ri AG Dr. Wolfram Viefhues: Die Organisation des "Großen Familiengerichts"
Prof. Dr. Ludwig Salgo: Das Beschleunigungsprinzip in Kindschaftssachen Notar Dr. Christoph Münch: Die neue vereingarungsfreiheit nach der Reform des Versorgungsausgleichs
RA beim BGH Prof. Volkert Vorwerk: Die neuen Rechtsmittel im FamFG RA u N Dr. Max Braeuer: Spielräume im Verfahren des Zugewinnausgleichs nach neuem Recht
RAin Monika Clausius: Aktuelle Rechtsprechung zur Unterhaltsbegrenzung RiOLG Isabell Götz: Das neue Verfahrensrecht in der Praxis

Vergnügen bei und nach der Arbeit

„Gespräche bei Speis und Trank“ wurden wie immer lebhaft geführt, auch die Disco fand erneut großen Anklang.

v.l.n.r.: RAin Jutta Wagner, Präs. des Deutschen Juristinnenbundes, Ri AG Dr. Wolfram Viefhues, RAin u. N'in Ingeborg Rakete-Dombek, Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses der AG Familenrecht, RAin Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit RAin Ulrike Börger, RAin Jutta Wagner, RiAG Dr. Wolfram Viefhues
RA Jörg Kleinwegener, RAin Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit RAuN Wolfgang Schwackenberg, Ehrenmitglied des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht, beim Tanz
RA Klaus Schnitzler, Prof. Dr. Dr. Dieter Schwab, RAin Dr. Eva Niebergall-Walter Krista Schneider, Deutscher Anwaltverlag, RA Jörg Kleinwegener
RAin Katherina Türck-Brocker, RAin Karola Witte, RA Andrea Woelke, RAin Karin Delerue RA Klaus Weil, RiOLG Ruth-Maria Eulering, BMJ,RA Jochem Schausten
RA Klaus Schnitzler, RAin Inge Saathoff, Prof. Dr. Dr. Dieter Schwab, RAin Dr. Eva Niebergall-Walter Prof. Dr. Gerd Brudermüller, Vorsitzender des Deutschen Familiengerichtstages, Dr. phil. Revital Ludewig, RA Svend-Gunnar Kirmes
Anja Hoffman, Tobias Hopf und Maja Hoffmann von der Deutschen Anwaltsakademie beim Tanz Tanzvergnügen, vorn: RAin Ingrid Hausemann, RAuN Sven F. Fröhlich

Der festliche Empfang beim Bamberger Oberbürgermeister

im „Spiegelsaal der Harmonie“ des alten Rathauses rundete die erfolgreiche Tagung ab.

RAin u N'in Ingeborg Rakete-Dombek, Oberbürgermeister Andreas Starke RA Dr. Mathias Grandel, RAin Dr. Eva Niebergall-Walter, RAin Dr. Ingrid Groß
RAin Margrit Diwell, Präs. VerfGH Berlin, RA Hans-Heinrich Thormeyer, Lutz Diwell, Staatssekretär der Justiz a.D. RA Jörg Kleinwegener, RAin Eva Becker, RA Jochem Schausten, alle drei vom Geschäftsführenden Ausschuss
RA Prof. Dr. Volkert Vorwerk, Dr. Frank Klinkhammer, Richter am BGH RA Andrea Woelke, RA Michael Leipold, RAin Sascha Lotzkat
Dr. Christian Meyer-Seitz, BMJ, RiOLG Ruth-Maria Eulering, BMJ, RAin Eva Becker RA Dr. Heinz-Willi Kamps, RAin Katherina Türck-Brocker, RAin Christiane A. Lang
RAin Ingrid Hausemann, RA Prof. Dr. Volkert Vorwerk, RAin u N'in Ingeborg Rakete-Dombek RAin u N'in Ingeborg Rakete-Dombek bedankt sich für den Empfang bei Oberbürgermeister Andreas Starke (vorne links, daneben steht RA Peter Brandt, Regionalbeauftragter der AG Familienrecht in Bamberg)

Mitgliederversammlung

Die Mitgliederversammlung wurde zur veritablen Abschiedsfeier. Die Vorsitzende Ingeborg Rakete-Dombek verabschiedete dabei die langjährige Regionalbeauftragte von Bremen, Rechtsanwältin Marianne Strahmann.

Der Dank der Mitgliederversammlung galt auch der ausscheidenden Regionalbeauftragten von Zweibrücken, Rechtsanwältin Gisela Koziczinski, und dem Europabeauftragten, Rechtsanwalt Hans-Walter Schmitz.

Im Anschluss daran gab es "Standing Ovations" für den ebenfalls ausscheidenden Schatzmeister, Rechtsanwalt Jörg Kleinwegener, der 10 Jahre lang die Geschicke der Arbeitsgemeinschaft maßgeblich geprägt und gestaltet hat. Die während vieler Jahre von allen erbrachten ehrenamtlichen Leistungen und ihre erfolgreiche Tätigkeit für die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht wurden hierbei ausführlich gewürdigt.

  Rechtsanwalt Jörg Kleinwegener gibt seinen letzten Bericht als Schatzmeister der AG Familienrecht ab.

Im Anschluss an diese emotionalen Momente wählten die Mitglieder den neuen Geschäftsführenden Ausschuss. Rechtsanwältin Ingeborg Rakete-Dombek wurde wiedergewählt und anschließend auch als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bestätigt. Ebenfalls bestätigt wurden die bisherigen Ausschussmitglieder Eva Becker, Dr. Mathias Grandel, Dr. Eva Niebergall-Walter, Inge Saathoff und Jochem Schausten. Der aus Marburg stammende Kollege Rechtsanwalt Klaus Weil wurde neu in den Ausschuss gewählt.

Wahlleiter Rechtsanwalt Henrich J. Potthast gibt das Wahlergebnis bekannt.

Die letzte Sitzung in alter Besetzung

Gruppenbild zum Abschied:

v.l.n.r.: RAin Dr. Eva Niebergall-Walter, RAin Inge Saathoff, RA Svend-Gunnar Kirmes, RAin Angelika Rüstow (Geschäftsführerin), RA Jörg Kleinwegener (Schatzmeister), RAinuN'in Ingeborg Rakete-Dombek (Vorsitzende) RA Jochem Schausten, RAin Eva Becker, RA Dr. Mathias Grandel.

neu in den Geschäftsführenden Ausschuss gewählt: RA Klaus Weil

Der neue Geschäftsführende Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht:

Neue und alte Begegnungen, Gespräche, Verabredungen, Meinungs- und Ideenaustausch in Bamberg:

RAin Margrit Diwell, Präs. VerfGH Berlin, RA Ekkehard von der Aue Das bewährte Team Maja Hoffmann, Anja Hoffmann, Tobias Hopf von der Deutschen Anwaltakademie im Gespräch mit RAin Eva Becker, RA Jörg Kleinwegener, RAin Angelika Rüstow
RAin Katherina Türck-Brocker, RAin Karola Witte, RAin Christiane A. Lang RA Hartmut Kilger, DAV-Präs. a.D., Prof. Dr. Gerd Brudermüller, Vors. DFGT
RAin Inge Saathoff, RA Klaus Schnitzler, RAinuN'in Ingeborg Rakete-Dombek, RA Jörg Kleinwegener RA Henrich J. Potthast, RAin Pia Tybussek, RAinuN'in Ingeborg Rakete-Dombek
RAin Silvia C. Groppler, RA Peter Brandt RA Jörn Hauß
RA Hartmut Kilger, RA Agiris Balomatis, RAin Eva Becker, RA Prof. Dr. Achilles G. Koutsouradis RAin Dr. Eva Niebergall-Walter, RA Fritz Weißenfels
RA Hartmut Kilger, RA Dietmar STocker, RAuN Sven F. Fröhlich RA Jochem Schausten stellt die Internetseite mit all ihren Neuerungen und Angeboten vor.
Dr. Werner Gutdeutsch, Vors. Ri a.D. OLG München RAuN Thomas Kellner
RA Dr. Mathias Grandel, Dr. Frank Klinkhammer, Richter am BGH, Dr. Hans-Ulrich Maurer, Vors. Richter am OLG Stuttgart Prof. Dr. Dr. Dieter Schwab
Dank für die gute Organisation: Anja Hoffmann, Tobias Hopf, Maja Hoffmann von der Deutschen Anwaltakademie RAin Angelika Rüstow, Geschäftsführerin, RA Jörg Kleinwegener, ehem. Schatzmeister
Abstimmung Großer Beifall am Ende einer gelungenen Tagung

Auf Wiedersehen bei der nächsten Herbsttagung in Hannover!

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