Das Schei­dungs­ver­fahren

AG Familienanwaelte Scheidung

Leben die Eheleute seit mindestens einem Jahr vonein­ander getrennt, können sie geschieden werden. Nur in Ausnah­me­fällen kommt eine Scheidung bei einer kürzeren Trennungs­dauer in Betracht. Die Ehe muss außerdem gescheitert sein. Erklären beide Eheleute nach Ablauf des Trennungs­jahres, dass sie geschieden werden wollen, wird die Ehe geschieden, sonst erst nach Ablauf von drei Jahren nach der Trennung. Dann geht das Gericht vom Scheitern der Ehe aus.

In allen anderen Fällen muss dem Gericht noch das Scheitern der Ehe darge­stellt werden. Denn, auch wenn ein Ehegatte nicht geschieden werden will, muss das Gericht auf Antrag des anderen Ehegatten die Ehe scheiden, wenn die vorge­nannten Voraus­set­zungen erfüllt sind.

Wird ein Schei­dungs­antrag gestellt, so muss das Gericht in jedem Fall von sich aus den Versor­gungs­aus­gleich durch­führen,es sei denn, es liegt ein wirksamer notari­eller Verzichts­vertrag vor oder die Ehe war nur von kurzer Dauer.

Nur auf Antrag trifft das Gericht im Schei­dungs­ver­fahren auch Regelungen zu weiteren Schei­dungs­folgen (sogenannte Folge­sachen), nämlich

  • zum Kindesunterhalt
  • zum Ehegattenunterhalt
  • zur Auseinandersetzung des Vermögens (Zugewinnausgleich)
  • zum Umgang mit den Kindern
  • zum Sorgerecht
  • zur Aufteilung der Haushaltsgegenstände
  • zur Nutzung der Ehewohnung nach der Scheidung

Hierfür inter­es­siert sich das Gericht aber nicht von alleine, sondern nur, wenn ein Antrag gestellt wird. Stellt ein Ehegatte zu einer oder mehreren von diesen Angele­gen­heiten einen Antrag, so kann der Richter die Ehe erst dann scheiden, wenn er auch über die Folge­sachen entschieden hat. Nur unter engen Voraus­set­zungen kommen eine Abtrennung einer Folge­sache und die Scheidung vorab in Betracht.

Um eine Scheidung beantragen oder aktiv im Schei­dungs­ver­fahren selbst Anträge stellen zu können, benötigt man zwingend einen Rechts­anwalt. Einen gemein­samen Schei­dungs­anwalt gibt es nicht. Die Eheleute treten formal bei der Scheidung als gegne­rische Parteien auf, auch wenn sie sich hinsichtlich der Scheidung und deren Folgen einig sind. In solchen Fällen kann es aber ausreichen, dass nur ein Ehegatte bei der Scheidung anwaltlich vertreten ist. Der andere Ehegatte sollte sich aber in jedem Fall mindestens einmal anwaltlich beraten lassen.

Soll ein Rechts­anwalt mit der Stellung eines Schei­dungs­an­trages beauf­tragt werden, so sollten im ersten Gespräch folgende Unter­lagen übergeben werden:

  • Heiratsurkunde oder beglaubigte Abschrift aus dem Familienbuch
  • Geburtsurkunden der gemeinsamen minderjährigen Kinder
  • falls vorhanden: Ehevertrag
  • gegebenenfalls in der Trennungszeit geschlossene Vereinbarung zur Regelung der Trennungs- und Scheidungsfolgen
  • Zur Überprüfung der aktuellen Einkommenssituation und evtl. Unterhaltspflichten oder –ansprüche können auch Einkommensunterlagen nützlich sein (Steuerbescheid, Gehaltsbescheinigungen, etc.)